Freitag, 28. August 2015

Anti-Homophobie als Antisemitismus

Eine Frau, die wegen einer homosexuellenfeindlichen Äußerung in einem sozialen Netzwerk („Homosexuelle Menschen gehören getötet. Ist ja widerlich.“) an den virtuellen Pranger gestellt wurde, soll deswegen ihren Job verloren haben. Manche meinen nun, die virtuelle Lynchjustiz sei damit zu weit gegangen. Darüber wird nun diskutiert.
Was mich dabei nun wundert: Habe ich etwas verpasst oder sind bisher jene Spezialisten noch nicht auf den Plan getreten, die einst in die Beschneidungsdebatte dahingehend intervenierten, jede Kritik an der Körperverletzung an männlichen Kindern für antisemitisch (und islamophob) zu erklären, weil doch Juden (und Muslime) ihre Knaben beschneiden?
Eigentlich müssten dieselben Durchblicker doch jetzt hervorheben, dass Kritik an Homophobie in der oben genannten Art auch wieder nur antisemitisch ist. Denn schließlich unterscheidet sich die inkriminierte Äußerung („Homosexuelle Menschen gehören getötet. Ist ja widerlich.“) nicht wirklich von der hebräischen Bibel: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.“ (Lev 18,22) und „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Lev 20,13) Die Todesstrafe für (männliche) homosexuelle Aktivitäten wird im Talmud bestätigt.
Wer also die Forderung, Homosexuelle sollten getötet werden, weil sie (oder ihre Handlungen) widerlich seien, für verachtenswert erklärt, erklärt demnach einen Teil der Tora und des Talmud für verachtenswert. Kurz gesagt: Anti-Homophobie ist Antisemitismus.
Seltsam, dass meines Wissens noch niemand so argumentiert. Läge doch nahe. Zumindest für die üblichen Verdächtiger.