Dienstag, 24. Dezember 2013

Alan Turing: „Gnade“ statt Recht

Das ging ja schnell. Schon ein einundsechzigeinhalb Jahre, nachdem Alan Turing wegen „gross indecency“ (schwerer Unzucht) mit einem Mann im Namen der großbritisch-nordirischen „Königin“ verurteilt worden war, unterzeichnete dieselbe Damen am Heilgen Abend 2013 einen Gnadenakt. In den Medien wird das als „Rehabilitierung“ Turings ausgerufen. Weit gefehlt! Begnadigung bedeutet Straferlass. Aber da sich Turing bereits 1954, zwei Jahre nach seiner Verurteilung, umbrachte, kann man ihm heute auch keine Strafe mehr erlassen. Rehabilitierung bestünde in einer Aufhebung des Urteils. Davon kann keine Rede sein. Das antihomosexuelle Strafrecht, das in England und Wales bis 1967, in Schottland bis 1980 in Kraft war, gilt nämlich heute noch als damals rechtens. Die ungefähr 50.000 Verurteilungen nach jenen Bestimmungen sind nach wie vor aufrecht. Also auch das Urteil über Turing. Dieser hatte sich übrigens schuldig bekannt und, um dem Gefängnis zu entgehen, eingewilligt, sich psychiatrischer Behandlung mit chemischer Keule zu unterziehen. Folge solcher „Therapie“ soll eine Depression gewesen sein, deren Folge wiederum vermutlich der Selbstmord war.
Die regierenden Heterosexuellen wollen mit der postumen, also rein symbolischen Amnestie für Turing (und sonst übrigens keinen der 50.000 Verurteilten) ihr Image ein bisschen aufpolieren. Pinkwashing Britain sozusagen. Und die medialen Repräsentierer der Lesbenundschwulen tun den Herrschenden den Gefallen und plappern wahrheitswidrig von „Rehabilitierung“. Wieder einmal sind alle zufrieden, obwohl niemand sein Recht bekommen hat.

Samstag, 14. Dezember 2013

Wessen Sieg?

Aus queer.de: „Edie Windsor hat es im Alter von 84 Jahren erstmals auf die "Person of the Year"-Liste geschafft: Die New Yorkerin hatte im Sommer ihren größten Erfolg erzielt, als der oberste Gerichtshof sie zur Siegerin im Fall 'United States versus Windsor' erklärte. Sie hatte geklagt, weil sie nach dem Tod ihrer Ehefrau 363.000 Dollar Erbschaftssteuern an Washington abführen sollte – als Heterosexuelle hätte sie aber nichts zahlen müssen. Die Höchstrichter entschieden, dass es sich bei dieser Ungleichbehandlung um eine verfassungswidrige Diskriminierung handelte und damit der LGBT-Bewegung in den USA einer ihrer größten Siege beschert."
Wieso es eigentlich ein Sieg (noch dazu einer der größten) der LGBT-Bewegung in den USA ist, wenn eine stinkreiche Greisin sich über eine Viertelmillion Euro an Steuern erspart, verstehe ich nicht. Besteht denn die ominöse „community" nur aus Superreichen? Warum um Himmels willen sollten Schwule (oder Lesben), die nichts oder nicht viel zu vererben haben, mit einem solchen „Sieg" des Eigennutzes über den Fiskus solidarisieren?
Längst schien die Verbürgerlichung der Homo-Bewegung gar nicht mehr zu überbieten, weil das ganze Gleichstellungs-Getue sich ja immer wieder bloß als Feilschen um wirtschaftliche Vorteile für Mittelklasse-Lesbenundschwule herausgestellt hat. Doch dass nun gar eine Millionärin, die von ihrem unverdienten Vermögen (die Familie ihrer Frau hatte es mit Essiggurken erwirtschaftet) keinen Cent an die Gesellschaft abgeben will, von interessierten Kreisen zur Heldin erklärt wird, sprengt dann doch noch einmal den Rahmen des Obszönen.