Donnerstag, 30. Mai 2013

Aufgestöbert (bei John Corvino)

Why are some people so quick to latch on to bold claims about the biological origins of homosexuality? I think it's because they believe that we need to show that we're born gay in order to establish that our sexuality is a deep, important and relatively fixed part of who we are. But that's simply not true. Consider a counterexample: My comprehension of English is a deep, important and relatively fixed part of who I am. I could acquire other languages, of course, but none would subsume my native tongue at this point. Being forbidden to express myself in English would be a real deprivation. But I wasn't born comprehending English.

http://www.huffingtonpost.com/john-corvino/born-this-way_b_3111186.html

Warum greifen manche Leute so begierig nach gewagten Behauptungen über den biologischen Ursprung von Homosexualität? Ich nehme an, weil sie meinen, dass wir nachweisen müssen, als Schwule geboren zu sein, damit unsere Sexualität mit Sicherheit als tief verwurzelt, bedeutend und weitgehend unveränderlich gelten kann. Aber das stimmt einfach nicht. Hier ein Gegenbeispiel: Dass ich Englisch verstehe, ist ein tief verwurzelter, bedeutender und weitgehend unveränderlicher Teil dessen, was mich ausmacht. Selbstverständlich könnte ich andere Sprachen erlernen, aber mit keine könnte mir die Muttersprache ersetzen. Mich nicht mehr auf Englisch ausdrücken zu dürfen, wäre eine arge Entbehrung. Aber ich wurde nicht als jemand geboren, der Englisch versteht.

Montag, 27. Mai 2013

Antireligiöse Bigotterie

Zum Blog-Text „Abwehrmechanismen“ von „Steven Milverton“ habe ich mich ja bereits ausführlich geäußert. Da kann ich es beim zugehörigen Kommentar eines gewissen „Ralf“ eigentlich kurz machen. Der schreibt: „Nach meiner persönlichen Erfahrung wurzeln Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben in der Religion. Darauf öffentlich hinzuweisen, ist legitim.“ Was soll man dazu sagen? Selbstverständlich ist es legitim, wenn „Ralf“ darauf hinweist, dass seiner persönlichen Erfahrung nach Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben in der Religion wurzeln. Die Frage ist bloß, wen das interessieren soll. Denn davon abgesehen, dass der öffentliche Hinweis auf sie legitim ist, haben es persönliche Erfahrungen so an sich, dass es sich bei ihnen um Täuschungen handeln und dass ihre Deutung falsch sein kann. Beides, Täuschung und Irrtum, scheint mir nun aber bei „Ralfs“ legitimerweise veröffentlichter persönlicher Erfahrung eindeutig der Fall zu sein.
„Ralf“ weist auf seine persönliche Erfahrung hin. Das darf er, aber man darf auch fragen: Welche Erfahrung mit „der“ Religion soll das gewesen sein? Was soll man überhaupt unter „der“ Religion verstehen: jede einzelnen Religion, alle Religion, die Religion an sich (was immer das wäre)? Ich bezweifle, dass „Ralf“ tatsächlich mit jeder Religion bereits Erfahrungen gemacht hat und mit Religion an sich schon gar nicht. Und die Erfahrungen die er mit dieser oder jener Religion vielleicht tatsächlich hat, deutet er offensichtlich falsch.
Es wäre ja schon eine steile These, dass Religionen Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben verursachen. Denn so sehr es offensichtlich zutrifft, dass manche religiösen Überzeugungen zu schwulen- und lesbenfeindlicher Theorie und Praxis führen, so kann das doch nicht von jeder religiösen Überzeugung gesagt werden. Und umgekehrt können Religionen nicht darauf reduziert werden, eine Haltung zu Homosexualität, sei das eine ablehnende, befürwortende oder gleichgültige, darzustellen.
Nun sagt ja „Ralf“ aber gar nicht, dass Religionen Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben verursachen, sondern er formuliert es geradewegs umgekehrt: Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben wurzeln in der Religion. Das ist, so wie es da steht, eine noch steilere These, denn was besagt das, wörtlich genommen, anderes als dass „die Religion“ die einzige Ursache von „Homophobie“ ist.
Das ist selbstverständlich noch weniger zutreffend als es die Behauptung, irgendetwas an dieser oder jener Religion verursache Schwulen- und Lesbenfeindschaft, gewesen wäre. Ganz offensichtlich gibt es verschiedene Gründe und Motive, um etwas gegen Homosexualität und Homosexuelle zu haben. Auch Agnostiker, Atheisten und Religionshasser können „homophob" sein. Und auch Menschen, die zwar dieser oder jener Religion anhängen, müssen ihre Einstellung zur Gleichgeschlechtlichkeit nicht unbedingt aus ihren religiösen Überzeugungen ableiten, weder vollständig noch zum Teil.
Ich behaupte also, „Ralf“ kann die von ihm behauptete Erfahrung gar nicht gemacht haben und die Erfahrungen, die er womöglich gemacht hat, hat er falsch interpretiert. So wenig wie Medizin oder Jurisprudenz als solche verwerflich sind, weil Mediziner und Juristen mit medizinischen und juristischen Mitteln gegen Menschen vorgegangen sind, die sich gleichgeschlechtlich betätigt hatten oder dies wollten, so wenig kann pauschal Religion zur Ursache von Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben erklärt werden.
Ich sagte es an anderer Stelle bereits und wiederhole es: Antireligiöse Ressentiments machen dumm. Sie verstellen den Blick auf die Realität. Diese unheilvolle Wirkung teilen sie mit der Bigotterie. Ja, sie sind im Grunde dasselbe wie diese, nur negativ gewendet.