Montag, 18. Januar 2016

Die Heterosexualitäter von Köln

Alles Mögliche wurde bisher bei den mutmaßlichen oder angeblichen Tätern der „Ereignisse von Köln“ problematisiert: ihr Aussehen, ihre Herkunft, ihr Alter, ihre kulturelle Prägung, ihre religiöse Zugehörigkeit, ihr Frauenbild, ihr Aufenthaltsstatus, ihre Vorstrafen, ihr Trunkenheitsgrad, ihre sexuelle Not und nicht zuletzt ihr Geschlecht — nur eines nicht: ihre sexuelle Orientierung. Dabei sind offensichtlich weder eine Herkunft „aus dem nordafrikanischen oder arabischen Raum“, ein partriarchal-machistisches Islamverständnis, ein Asylantrag, ein Promillepegel oder der Umstand, dass man männlichen Geschlechtes ist, ausreichende Bedingungen, um sexuelle Übergriffe, wie sie teils phantasiert, teils berichtet, teils angezeigt wurden, zu unternehmen oder das auch nur zu wollen. Man muss dazu auch heterosexuell sein.
Wäre die allgemein akzeptierte Darstellung, dass in der Silvesternacht Lesben zwischen Hauptbahnhof und Dom Frauen belästigt hätten oder auch irgendwelche Schwule irgendwelche Männer, so wäre mit Sicherheit Homosexualität ein Thema. Heterosexualität wird aber fast nie thematisch, denn sie ist als selbstverständlich, natürlich und normal vorausgesetzt. Was sollen nordafrikanische junge Muslime, besoffen und notgeil, auch sonst sein als heterosexuell?
Es stimmt: Es gibt heterosexuelle Männer, die keine Frauen belästigen. Aber es gibt auch Orientalen, Moslems, Betrunkene und Flüchtlinge, die keine Frauen belästigen. Und während es keine Möglichkeit gibt, aus Religion, Staatsbürgerschaft, Alter oder Geschlecht den Wunsch (geschweige dessen Verwirklichung) abzuleiten, Frauen zu belästigen, ist es offensichtlich, dass man ein heterosexueller Mann sein muss, um Frauen belästigen zu wollen.
Was daraus folgt? Nichts, wenn man die Diskussionen nicht anders führen will. Bisher hat man sich nur damit beschäftigt, wie man das vermutete Gefährdungspotenzial reduziert, indem man männliche, orientalische, muslimische Flüchtlinge loswird oder in Umerziehungslager, äh, Integrationskurse steckt, die ihnen ihre prämodernen Neigungen austreibt und ihnen Achtung vor der Gleichberechtigung und dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen einbläut.
Es ginge auch anders. Jahrhundertelang haben hochstehende Zivilisationen, in denen Männer ihre Heterosexualiät nur eingeschränkt (nämlich mit Ehefrauen oder Huren) praktizieren konnten, Mittel geboten und Wege gewiesen, trotzdem Spaß zu haben. Man müsste also nur die mannmännliche Sexualität fördern — und das Problem der heterosexuellen Belästigung von Frauen wäre verschwunden. Oder zumindest reduziert.
Dem steht entgegen, dass die westlichen Gesellschaften und mit ihnen die LFBTIQsternchen-Institutionen das Dogma fest installiert haben, Homosexualität sei eine natürliche Eigenschaft von Homosexuellen und keineswegs eine jedem Menschen mögliche Praxis, anders gesagt: Männer wollen (und haben) nur Sex mit Männern, wenn sie schwul sind. Es ist demnach die „Schwulenbewegung“ selbst, die mit ihrem Identitästgetue eine mögliche Kultur der Männerliebe verhindert.
Es hilft also alles nichts. Die heterosexuellen Männer müssen selber ran und Sex mit anderen heterosexuellen Männern haben. Nur so kann verhindert werden, dass Heterosexualität zu Übergriffen gegen Frauen führt. Plastisch formuliert: Wer mit einem anderen Mann im Bett ist, belästigt keine Frauen auf der Domplatte.

Sonntag, 22. November 2015

Solange die Formulierung „Er (oder sie) lebt(e) offen heterosexuell“ nicht üblich ist, ist die Formulierung „Er (oder sie) lebt(e) offen homosexuell“ offen diskriminierend. Übrigens auch dann, wenn sie von der betreffenden Person auf sich selbst angewandt wird: „Ich lebe offen schwul.“

Freitag, 23. Oktober 2015

Peitschenhiebe für Sex unter Schwulen

„Sex unter Schwulen“ werde in der indonesischen Provinz Aceh mit bis zu 100 Peitschenhieben bestraft. So oder so ähnlich schreiben es zahlreiche Medien (wohl von einer dpa-Meldung ab). Keine Sekunde lang wird darüber nachgedacht, ob Acehs Rechtsvorschriften, die sich auf die Scharia berufen, denn tatsächlich den Begriff „Schwule“ (oder ein Pendant dazu) kennen. Und ob denn etwa Sex unter Männern, die nicht schwul sind, demnach nicht bestraft werden solle. Was die interessante Frage aufwürfe, wie zuständige Behörden Schwule von Nichtschwulen einwandfrei unterscheiden wollten.
Ohne weiter zu recherchieren, kann man sicher sein, dass in Aceh „nur“ gleichgeschlechtlicher Analverkehr, der vor mindestens zwei Zeugen stattfindet, bestraft wird. (Wobei übrigens 100 Peitschenhiebe noch eine geringe Strafe wären im Vergleich zur jüdischen und der dieser folgenden christlichen Tradition, die beide die Todesstrafe vorsehen. Zur Erinnerung: In Deutschland bzw. Österreich konnten Männer bis 1969 bzw. 1971 für gleichgeschlechtlichen Verkehr in jedem Fall ins Gefängnis kommen, danach immer noch in manchen Fällen.) Einige Medienberichte führen dies, also die Notwendigkeit von Zeugen, sogar an. Dass es damit ziemlich unwahrscheinlich wird, dass allzu viele Fälle dieser Art vor den Richter kommen, wird nicht erwähnt. Oder wie oft ficken Sie als Mann vor unbeteiligten Zeugen mit einem Mann?
Zweifellos kann und darf man die Gesetzgebung in Aceh kritisieren. Man soll und muss es wohl sogar. Zweifellos ist sie homosexuellenfeindlich. Allerdings ist die Berichterstattung darüber ihrerseits homosexualitätsfeindlich. Indem nämlich das Verbot von Sex unter Männern zu einem Verbot von Sex unter Schwulen gemacht wird, wird, was eigentlich alle angeht, zum Problem lediglich einer Minderheit. Unter der Herrschaft des Dogmas, Homosexualität sei das Homosexuellsein der Homosexuellen — und nicht eine jedem Mensch gegebene Möglichkeit —, werden „nichtschwuler“ Sex, „nichtschwules“ Begehren, „nichtschwule“ Zuneigung usw. zwischen Männern eliminiert. Damit wird Heterosexualität rein erhalten und als Normalfall festgeschrieben. Die scheinbare Sorge um das Wohlergehen von Schwulen (werden sie von der Schariapolizei auch nicht zu sehr drangsaliert?) entpuppt sich so als Strategie der Auslöschung von jeglicher Homosexualität, die nicht der Norm des Untersichbleibens der Homosexuellen entspricht.